THC Was geht ab  

Heute45
Gestern80
Woche453
Monat1332
Total901918

Besucher IP 52.91.245.237 Visitor Info : Unknown - Unknown

Was geht ab ??

Guests : 10 guests online
   

Login Form  

   

Salmotti

Mitte April, Mittwochmorgen, irgendwo in der Mitte des Thunersees zwischen Spiez und Gunten lasse ich kurz vor halb Neun 6 Zügel zu Wasser, ein weiterer Anlauf nach über 200 Stunden erfolglosem Seeforellensuchen auf der Thuner Pfütze. Eigentlich sollte es das obligate Standartprogramm werden, an diesem noch ruhigen, warmen Frühlingstag: zuerst ohne Biss schleppen, dann mit der Hegene nach Felchen und Saiblingen suchen. Wie so oft, resp. Programm wie immer... Doch es kam anders, und zwar nicht so, wie es sich der Kleinfischfänger Salmotti "erhofft" hatte, der Wunsch nach einer 50er Seeforelle zum Starten wurde nicht erfüllt... Um 09.50 Uhr musste ich vor Oberhofen links abbiegen, ich stellte den Blinker und fuhr auf die offene See hinaus, da von Thun her das erste Kursschiff in Sicht war. Auf einmal verschwand das Schleppbrettli vom mittleren Zügel auf der linken Seite. Ich fuhr über den Tiefenbereich 60 - 80 Meter, 150 Gramm Blei waren in die Schnur gehängt, als Köder ein 15 cm Köderfisch am Wikamsystem. Bei gefahrenen 4 Km/h lief der Köder wahrscheinlich im Bereich 8 - 12 Meter, also ein Hänger am Boden konnte es nicht sein. 5 Meter weiter hinten kam das Brettli wieder hoch und machte ruckartige Bewegungen, ich wusste, was es geläutet hat: Fish on, Junge! Das Einholen des Bretts erwies sich als erster Kraftakt, irgendetwas hatte sich in's Schlepptau gehängt und stellt sich quer. Ein Baumstamm oder ein Hecht, ich kann die 45 Meter Zügel bis zum Köder langsam zum Boot pumpen, eigentlich typisches Verhalten für einen Hecht. Doch dem war überraschenderweise nicht so, der Schatten, welcher auf einmal unter dem Boot stand, glich nicht den Konturen eines Krokodils mit Entenschnabel, ne ne, da stand ein riesiger Silberbarren, welcher sich mit eleganten Schwanzschlägen im gleichen Tempo wie das Boot bewegte. Beim näheren Betrachten konnte ich feststellen, dass das System mit den Haken ganz in ihrem Mund verschwunden war. Nun das bange Hoffen, ob die Knoten und die Schnur halten. Und die grosse Frage, wie ich das Riesenteil alleine in’s Boot hebe, denn wie so oft bei ordentlichen Anbeissern, bin ich allein. Allein, allein, allein, allein....

Als die Forelle mich erblickte, tauchte sie wieder ab und nahm meterweise Schnur, dieses Spiel mit auf und ab dauerte eine ganze Weile, wir fuhren zusammen quer über den ganzen See von Oberhofen nach Einigen. Es war ein geben und nehmen, bis ich 25 Minuten später zum ersten Landeversuch ansetzte. Mit erstaunen konnte die Forelle über den ausgezogenen 2.50 Meter Kescher gezogen werden, und mit noch grösserem erstaunen, aber eigentlich vorhersehbar, musste festgestellt werden, dass der Stiel vom Netz diese Belastung nicht aushielt und knickte.. Die Forelle wieder rückwärts aus dem Kescher, blieb aber mit dem Kopf und einem bereits aus dem Mund gelösten Drilling im Netz hängen. Ich nahm das Netz zum Boot und konnte den Brummer mit Kiemengriff hochheben.

Die Arme schmerzten, der Rücken tat weh und der Kopf war frei, völlig frei... Oder vielleicht höchstens ein kleines bisschen der Gedanke: „Geschafft, heute i’m the King of the Mountains“!

Ein Thuner Alpenlachs, 90 Zentimeter lang und 14,5 Pfund schwer, lag vor mir im Kutter und trat mit mir die Heimreise an. Ich ging nach Hause, er in die Räucherei. So trennten sich unsere Wege wieder und es gab Tage später ein freudiges Wiedersehen bei einem rauschenden Fest mit Weisswein und geräuchertem Forellenfilet auf Toast...

Salmotti